Morbus Crohn aus schulmedizinischer Sicht
Morbus Crohn wird auch aus "wissenschaftlicher Sicht" den Autoimmunerkrankungen, aber auch den Krankheiten des rheumatischen Formenkreises zugeordnet. So ist man sich wohl bewusst, dass mit Morbus Crohn einige Symptome einhergehen, welche im Umkehrschluss auch beweisen, dass viele körperliche Gebrechen darmabhängig sind, wie z.B.: anfängliche Gelenkschmerzen, Reizungen der Wirbelsäule, Augenentzündungen, Müdigkeit, Hautreizungen, Probleme mit Leber oder Galle, Fieber, mangelnder Appetit, Gewichtsverlust (das wäre eigentlich ganzheitlich gedacht).
Jedoch diagnostiziert man leider nicht die Ursachen, sondern versucht durch Darmspiegelung und Labor-Befundung dann eine einem Urteil gleichkommende Diagnose zu stellen. Ernährungsumstellungen werden oft sehr ideenlos empfohlen. Nahrungsmittelunverträglichkeiten werden oft nur mit Zöliakie, Fructose- oder Laktosemalabsorptionen in Zusammenhang gebracht. Kann hier nichts nachgewiesen werden, ist dann häufig auch schon ein Ende in Sicht mit der Ernährungstherapie.
Jedoch versuchen Gastroenterologen medikamentös auf die Symptome Einfluss zu nehmen. Die gängigen Behandlungen sind hier kurz aufgeführt:
Das Hauptziel der Therapie ist eine Immunsuppression und -modulation durch die Unterdrückung der Granulozyten- und Makrophagenaktivität, der lymphozytären Toxizität und somit der adaptiven Immunabwehr. Es gibt zwei Therapie-Prinzipien:
1. Step-up Therapie:
Lokal wirksame oder systemische Glucocorticoide (Cortisol) sind das Mittel der Wahl. Obwohl sie häufig keine Abheilung der Darmschleimhaut bewirken, sind sie wirksam zur klinischen Remissionsinduktion (Remission ist das Nachlassen von Krankheitssymptomen), aber nicht zur Remissionserhaltung. Beim Versagen dieser Therapie oder bei der Entwicklung einer Abhängigkeit, kommen zunächst Immunsuppressiva (i.d.R. Azathioprin) zum Einsatz. TNF-alpha-Inhibitoren sind für schwere Schübe als Drittlinientherapie vorbehalten.
2. Top-down Prinzip:
Hier werden wie bei Rheumatikern früh TNF-alpha-Inhibitoren eingesetzt mit der Idee, dass sich dadurch eine verbesserte Wirksamkeit, tiefere Dosierfrequenz und eine tiefere kumulative Dosis der Steroidtherapie erreichen lässt. Der Stellenwert dieses Vorgehen ist heutzutage noch unklar.
In der medikamentöse Therapie des M. Crohn verschiedene Arzneimittelgruppen eingesetzt.
Aminosalicylate werden oral oder rektal verabreicht und sind lokal im Darm entzündungshemmend und antimikrobiell:
Mesalazin (z.B. Claversal®, Salofalk®)
Sulfasalazin (Salazopyrin®)
Antibiotika werden oral verabreicht und sind antibakteriell und entzündungshemmend:
Metronidazol (diverse Hersteller)
Ciprofloxacin (Ciproxin®, Generika)
Immunsuppressiva werden oral oder parenteral eingesetzt und unterdrücken das Immunsystem:
Azathioprin (Imurek®, Generika)
Mercaptopurin (Purinethol®)
Methotrexat (diverse Hersteller)
Glucocorticoide immunsuppressiv und entzündungshemmend. Sie werden oral, lokal oder parenteral verabreicht. Sie wirken systemisch oder als Einläufe lokal:
Prednisolon (Spiricort®, Generika)
Budesonid (Budenofalk®, Entocor®)
TNF-alpha-Inhibitoren (Monoklonale Antikörper) sind als Mittel der zweiten oder dritten Wahl zur Behandlung zugelassen, wenn konventionelle Therapien nicht ansprechen.
Fast alle Medikamente haben bei einer Langzeitanwendung schwere Nebenwirkungen und sind oft extrem teuer.

